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Welche Familienservices Sie als Unternehmen anbieten können

Über 50% der Kosten, die aufgrund von unzureichender Vereinbarkeit von Beruf und Familie entstehen, können mit familienfreundlichen Mitarbeiter-Benefits gedeckt werden …

Aktuell sind in Deutschland 61% der Mütter und 86% der Väter aktiv erwerbstätig. Dabei wünschen sie sich selbstverständlich ein Unternehmen, dass es möglich macht, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Denn der Traum von einer eigenen Familie hat in keinster Weise an Attraktivität verloren. Ganz im Gegenteil, der Wunsch nach Kindern setzt sich auch in jüngeren Generationen fort. Vor allem Frauen haben dabei jedoch die Angst, in ihrer Karriere eingeschränkt zu werden. Sie wollen ihren beruflichen Aufgaben nachgehen und dennoch das familiäre Leben voll und ganz genießen. Auch immer mehr Arbeitgebende stehen hinter dieser Philosophie. Ein familienfreundlicher Arbeitsplatz, an den Eltern nach der Geburt schnell wieder zurückkehren können und wo flexible Arbeitsmodelle eine Selbstverständlichkeit sind – das ist das Ziel.

Eine familienbewusste Personalpolitik wirkt sich unmittelbar auf die Erwerbstätigkeit von Menschen mit kleinen Kindern aus. Die Folgen für die Gestaltung von Familienleben und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind durchweg positiv und spürbar.

Für Unternehmen, die Handlungsbedarf erkennen, gibt es eine Vielzahl an Maßnahmen, die den Ansprüchen der Arbeitskräfte gerecht werden, ohne mit einem hohen Kostenaufwand verbunden zu sein. Außerdem bieten sie eine gute Chance, Mitarbeiter*innen für sich zu gewinnen, zu motivieren und das Firmenimage zu verbessern.

Doch wie sieht ein familienfreundlicher Arbeitsplatz aus und welche „Familienservices“ kann ein Unternehmen anbieten?

 

Angebot flexibler Arbeitszeitregelungen

Reguläre Arbeitszeiten sind nicht mit einem aktiven Familienleben und Betreuungszeiten vereinbar. Für viele erwerbstätige Eltern stellt das die größte Herausforderung dar. Überraschende Ereignisse sind mit Kindern jedoch vorprogrammiert. Sie werden plötzlich krank oder müssen unerwartet abgeholt werden. Mitarbeiter*innen sind deswegen auf flexible Arbeitszeiten angewiesen, um nicht gleich Urlaub nehmen zu müssen. Die Angebote reichen von Teilzeit, Gleitzeit, vollzeitnaher Teilzeitbeschäftigung bis zu Langzeitkonten, sog. Sabbaticals und können je nach Familiensituation verändert werden. Förderlich ist auch der Verzicht auf Kernzeiten und stattdessen die Einführung von Vertrauensarbeitszeiten, wobei die Stunden eigenverantwortlich von den Teams abgedeckt werden. Ein flexibler Arbeitsalltag kommt auch der Gleichstellung von Mann und Frau zugute und ermöglicht Müttern mehr Karrierechancen und Vätern mehr Familienzeit.

 

Flexibilisierung des Arbeitsorts

Genauso wichtig wie die Arbeitszeit ist auch ein flexibler Arbeitsort. Ob mobiles Arbeiten oder Homeoffice – wer seinen Mitarbeiter*innen zumindest gelegentlich oder in Notsituationen einen frei wählbaren Arbeitsort zugesteht, spart Pendelzeit und ermöglicht dadurch längere Arbeitszeiten. Dabei ist ein geschickt organisiertes Team nicht von großer Bedeutung, das sich aus Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten zusammensetzt, um somit verlässlich zu arbeiten. Eine große Erleichterung für Erwerbstätige ist zudem die Anpassung der Besprechungszeiten an die regulären Zeiten der Kinderbetreuung. Wenn Meetings am Vormittag stattfinden, können auch Mitarbeiter*innen in Teilzeit anwesend sein und Familie und Arbeitszeit kommen sich nicht in die Quere.

 

Unterstützung bei der Kinderbetreuung

Eine große Unterstützung kommt mit Betreuungsangeboten, die an die Bedürfnisse der Eltern angepasst sind. Dabei ist nicht unbedingt eine hauseigene Kita nötig. Allein die Hilfe bei der Suche nach geeigneten Betreuungsplätzen über bestehende Betreuungsdatenbanken, etc. ist entlastend. Wer noch mehr Einsatz zeigen will, kann mit Unternehmen in der Nachbarschaft gemeinsame Kindertagesstätten gründen oder bei Einrichtungen in der Nähe der Firma Belegplätze für die Kinder der Mitarbeiter*innen reservieren. Außerdem ist auch in diesem Bereich Flexibilität das A und O. In Fällen, in denen die reguläre Betreuung ausfällt, können Arbeitgeber*innen eine Notfallbetreuung organisieren oder Tagespflegekräfte zur Verfügung stellen. Der Unterstützungswille zeigt sich besonders dann, wenn auch ungewöhnliche Arbeitszeiten abgedeckt werden. Etwa eine Betreuung am Abend, am Wochenende oder in den frühen Morgenstunden.

 

Eltern-Kind Büros

Eltern-Kind Büros sind in familienfreundlichen Unternehmen kein Fremdwort. Eltern, die im Büro arbeiten, haben die Chance für begrenzte Zeit auch während der Arbeit auf ihre Kinder aufzupassen. Besonders in Notfällen, in denen die geplante Betreuung wegfällt, ist die Beaufsichtigung durch ein Elternteil unausweichlich. Ein Raum mit Hausaufgabenecke, Spielzimmer oder spezielle Eltern-Kind-Arbeitszimmer bieten den Berufstätigen die Möglichkeit regulär weiterzuarbeiten, anstatt sich wegen des Kindes freinehmen zu müssen.

 

Organisation familienfreundlicher Veranstaltungen

Wertschätzung für Familien können Unternehmen dadurch ausdrücken, dass sie familienfreundliche Veranstaltungen anbieten. Ob Keksebacken während der Adventszeit, gemeinsame Ausflüge oder ein Tag der offenen Tür, an dem die Kinder in den Arbeitsalltag ihrer Eltern schnuppern können. Ferienprogramme sind ebenfalls ein willkommenes Angebot. Dabei werden die Kinder beschäftigt und ihre Eltern können, trotz sechs wöchigen Schulferien, den beruflichen Verantwortungen ungestört nachgehen.

 

Bezahlter Urlaub und Fehltage

Ein Serviceangebot für das alle Beschäftigten mit Kindern dankbar sind, ist die Schaffung wichtiger Freiräume. Dabei geht es um familienbezogene Freistellungen bei Geburten, der Einschulung, Hochzeiten, Todesfällen etc. Bei ungeplanten Ereignissen, wenn das Kind beispielsweise krank wird, kann den Eltern durch unbezahlten Sonderurlaub unter die Arme gegriffen werden. Ferner können Sonderurlaubstage auch als Honorar für besondere Leistungen vergeben werden, wodurch Mitarbeit*innen Zeit mit der Familie ermöglicht wird.

 

Wiedereinstieg nach der Elternzeit

Bis vor kurzem waren es meistens die Mütter, die die Elternzeit tatsächlich genutzt haben, jedoch nehmen auch immer mehr Väter diese Zeit für die Familie in Anspruch. Wenn Eltern nach längerer Auszeit wieder in das Unternehmen einsteigen möchten, ist es wichtig, ihnen dabei den Rücken zu stärken. Ein problemloser Wiedereinstieg wird ermöglicht, wenn der Kontakt während der Elternzeit aufrechterhalten wird. Ob bei Planungsgesprächen, Betriebsfesten oder Elterntreffs. Wenn der Bezug zum Unternehmen bestehen bleibt, erleichtert das die Rückkehr für Beschäftigte, sowie für die Firma. Der Kontakt kann auch dadurch erhalten bleiben, dass Eltern trotz Auszeit in der Telearbeit, stundenweise beschäftigt werden oder als Krankheitsvertretung für Kollegen einspringen. Steht der Wiedereinstieg kurz bevor, sind Fortbildungsangebote eine gute Möglichkeit die Elternteile wieder mühelos in das Unternehmen einzugliedern.

 

Beratung und offene Kommunikation

Bei familienunterstützenden Angeboten ist die offene Kommunikation besonders wichtig. Es ist sicherzustellen, dass alle Beschäftigten davon erfahren, zum Beispiel durch einen Aushang in der Kaffeeecke. Darüber hinaus gilt es die Mitarbeiter*innen anzuregen, sich selbst einzubinden und der Geschäftsleitung eigene Konzepte und individuelle Maßnahmenkombinationen vorzuschlagen. Für die reibungslose Umsetzung und Begleitung der Familienservices, macht es außerdem Sinn, Ansprechpartner*innen zu ernennen, um als Anlaufstelle für familiäre Beratung, Mutterschutz oder weitere bestehende Angebote zu dienen.

Familienfreundlichkeit im Unternehmen bedeutet, dass familiäre Aufgaben berücksichtigt und Menschen mit Familie nicht benachteiligt werden. Familienservices unterstützen bei der Betreuung und Erziehung von Kindern, sowie bei der Pflege von Angehörigen. Über 50% der Kosten, die aufgrund von unzureichender Vereinbarkeit von Beruf und Familie entstehen, können mit solchen Angeboten gedeckt werden. Dazu zählen Überbrückungs-, Fluktuations- und Wiedereingliederungskosten, die deutlich geringer sind als die Kosten für Neubesetzungen oder Fehlzeiten. Diese Balance der beiden Welten entlastet das Leben der Eltern und bringt Unternehmen Wettbewerbsvorteile sowie Kosteneinsparungen.