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Woran du ein familienfreundliches Unternehmen erkennst

Mütter und Väter willkommen: Es gibt sie wirklich, die Unternehmen, die sich ganz offensiv das Attribut „familienfreundlich“ auf die Fahnen schreiben. Kein Wunder:

Mütter und Väter willkommen: Es gibt sie wirklich, die Unternehmen, die sich ganz offensiv das Attribut „familienfreundlich“ auf die Fahnen schreiben. Kein Wunder: Denn dass familienorientierte Arbeitgeber im Kampf um die besten MitarbeiterInnen die Nase vorn haben, ist längt kein Geheimnis mehr. Dementsprechend setzen immer mehr Unternehmen alle verfügbaren Hebel in Bewegung, um ihren Unternehmensalltag auf die Bedürfnisse von Eltern anzupassen.

Das klingt nach perfekten Voraussetzungen – und trotzdem gibt es noch viel zu tun! Nach einer Studie des BMFSFJ hält sich rund die Hälfte der Unternehmen für besonders familienfreundlich, während jedoch nur 25% der befragten Arbeitnehmer diese Meinung teilen.

Zertifiziert „familienfreundlich“

Doch wie sieht es eigentlich aus, ein familienorientiertes Unternehmen? Und wie erkenne ich, dass mein neuer Arbeitgeber in Sachen Familienfreundlichkeit hält, was er verspricht? Eine Möglichkeit, familienfreundliche Arbeitgeber auf den ersten Blick zu erkennen, ist das „Qualitätssiegel familienfreundlicher Arbeitgeber“, mit dem sich Unternehmen ihre Familienfreundlichkeit zertifizieren lassen und sich dazu verpflichten, alle angepriesenen Maßnahmen tatsächlich umzusetzen und zu optimieren. Doch auch ohne Zertifizierung haben selbst kleinere Unternehmen heute bereits ein Familienfreundlichkeitskonzept erarbeitet, das die wichtigsten Eckpfeiler der Familienorientierung beschreibt.

So oder so: Die wichtigsten Kriterien, an denen du ein familienfreundliches Unternehmen erkennst, haben wir hier für dich zusammengestellt:

Die wesentlichen Eckpfeiler

Flexible Arbeitszeiten

Familienorientierung bedeutet Flexibilität – und die fängt ganz klassisch bei den Arbeitszeiten an. Nicht nur Eltern ärgern sich oft über angestaubte 9-to-5-Modelle, die gegenüber modernen Alternativen ganz schön alt aussehen, wenn es darum geht, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Möglich wird das zum Beispiel mit der flexiblen Gleitzeit, die oft mit einer Kernzeit (ein Zeitfenster von meist etwa 4-6 Stunden) verbunden ist. Andere familienfreundliche Arbeitgeber setzen auf das Konzept der Vertrauensarbeitszeit, bei der deine Stunden nicht erfasst werden und du selbst entscheidest, in welcher Zeit du deine Arbeit erledigst. Und mit dem Modell der Langzeitarbeitskonten kannst du Überstunden oder übrig gebliebene Urlaubstage aufsparen und ein „Guthaben“ deiner Arbeitszeit aufbauen, das du an anderer Stelle einsetzen kannst (ggf. auch bei einem Wechsel in Teilzeit).

Flexible Voll- und Teilzeitmodelle

Einmal Teilzeit, immer Teilzeit? In vielen Unternehmen ist das traurige Realität. Denn tatsächlich hast du als reguläre Teilzeit-MitarbeiterIn kein gesetzlich geregeltes Anrecht auf die Aufstockung deiner Stelle in Vollzeit. Familienorientierte Arbeitgeber machen es dir leicht, deine wöchentliche Stundenzahl zu erhöhen oder, im umgekehrten Fall, bei Bedarf zeitweise zu reduzieren – und bieten dir darüber hinaus mit Konzepten wie Job-Sharing die Möglichkeit, deine Stelle mit einer weiteren Person zu teilen.

Die Kinder nachmittags von der KITA abholen und den Rest der Arbeit abends erledigen, nachdem du sie ins Bett gebracht hast? Auch flexible Vollzeit ist in modernen Firmen eine Selbstverständlichkeit. Wichtig ist doch vor allem, dass du deine Aufgaben erledigst. Denn Teilzeitarbeit bedeutet auch deutlich weniger Gehalt und Rente im Alter. Gerade alleinerziehende Mütter und Väter können es sich oft nicht leisten, monatlich auf Einkommen zu verzichten.

Home-Office-Möglichkeiten

Gemütlich zuhause bleiben und dennoch stundenlang komplexe Projekte bearbeiten, während sich die Kinder ruhig alleine beschäftigen… Die meisten Eltern wissen wahrscheinlich, dass dieses Bild in den seltensten Fällen der Realität entspricht. Und trotzdem: Die Möglichkeit, sich den Weg ins Büro zu sparen und trotzdem alle Aufgaben des Tages erledigen zu können, ist in vielen Situationen kaum in Gold aufzuwiegen. Regelmäßige Home-Office-Tage gehören deshalb in familienorientierten Unternehmen zum betrieblichen Alltag wie der Gang zur Kaffeemaschine. Wichtig bei längeren Home-Office-Phasen: Zwischendurch immer mal wieder bei den KollegInnen im Büro vorbeischauen, um auf dem Laufenden zu bleiben!

Karriere- und Weiterbildungsangebote auch für Teilzeit-MitarbeiterInnen

Wie viele Teilzeitkräfte in einem Unternehmen eine Führungsposition besetzen, sagt einiges über die Familienfreundlichkeit eines Arbeitgebers aus: Es zeigt, dass das Unternehmen seinen MitarbeiterInnen Verantwortung unabhängig von der geleisteten Stundenzahl überträgt. Auch Weiterbildungsangebote sind in familienfreundlichen Unternehmen für alle Mitarbeiter gleichermaßen zugänglich.

Womit viele familienfreundliche Arbeitgeber außerdem punkten:

  • Die (anteilige) Kostenübernahme an Betreuungsgebühren
    … um dich finanziell zu entlasten.
  • Ein Eltern-Kind-Büro mit Spielecke
    … damit du dein Kind im Notfall zur Arbeit mitnehmen kannst.
  • Kinder-Notfallbetreuungsangebote
    … wenn die Kita geschlossen hat oder der Babysitter streikt.
  • Sportangebote für Eltern und Kind
    … für mehr Bewegung im Alltag.
  • Freizeitprogramme für Ferienzeiten
    … damit sich dein Kind in den Ferien nicht alleine zuhause langweilen muss.
  • Zusätzliche Kinderkrank-Tage mit Lohnfortzahlung
    … denn die nächste Magen-Darm-Grippe kommt bestimmt.

Der Knackpunkt: Die Unternehmenskultur

Familienfreundlichkeit ist für Unternehmen heutzutage ein wesentlicher Faktor, der über ihre Attraktivität als Arbeitgeber entscheidet. Deshalb bemühen sich viele Unternehmen nach Kräften darum, sich so familienfreundlich wie möglich zu positionieren.

Doch ob Voll- und Teilzeitmodelle, Job-Sharing oder Eltern-Kind-Büro – der Wert aller versprochenen Angebote geht gegen Null, sobald die Umsetzung nicht von der Unternehmenskultur deines neuen Arbeitgebers getragen wird. Oder anders ausgedrückt: Die Kultur eines Unternehmens ist der Schlüssel in die Welt des familienfreundlichen Arbeitens.

Familienorientierung beginnt in den Köpfen der MitarbeiterInnen und Führungskräfte: Sie entsteht in einem verständnisvollen Klima, in dem du als MitarbeiterIn unabhängig von deiner wöchentlichen Stundenzahl als vollwertige KollegIn anerkannt wirst, in dem Termine am späten Nachmittag vermieden werden, um Teilzeit-MitarbeiterInnen nicht auszuschließen, und in dem niemand über deine Home-Office- oder Kind-krank-Tage die Nase rümpft. Erst dann wirst du mit gutem Gefühl alle angebotenen Möglichkeiten ausschöpfen können.

Sarah von Nahmen

Die freie Texterin studierte Internationales Personalmanagement. Als berufstätige Mutter kennt sie auch privat die Herausforderungen, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen.